© 2017 Schweizerische Gesellschaft für Blasenschwäche

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Rechtliche Hinweise

THERAPIE

MÖGLICHKEITEN

EINLEITUNG


Blasenschwäche ist kein unabwendbares Schicksal. Tatsache ist vielmehr, dass heute erfolgversprechende und praktikable Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, die den Betroffenen Hilfe, vielfach sogar die vollständige Wiedererlangung der Kontrolle der Blasenfunktion ermöglichen. Voraussetzung ist allerdings, dass sich Betroffene zu einem vertrauensvollen Gespräch mit ihrem Arzt oder Ihrer Aerztin entschliessen und Beschwerden und Symptome konkret schildern. Nur so lassen sich die Krankheitsursachen abklären und eine den individuellen Bedürfnissen angepasste Behandlung vorschlagen und einleiten, damit wieder ein normales, unbeschwertes Leben möglich wird.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist eine einfache Basisdiagnostik, die, neben der üblichen Befragung mit körperlicher Untersuchung und Urinuntersuchunge (zum Ausschluss einer Harnwegs- beziehungsweise einer Blasenentzündung), eine Restharnbestimmung und ein Miktionsprotokoll (über zwei bis drei Tage) umfassen sollte, damit die Inkontinenzform ermittelt werden kann.

Ist eine Harnwegsinfektion die Ursache der Beschwerden, wird eine Antibiotikabehandlung helfen. Unterstützend wirkt die gezielte Flüssigkeitszufuhr mit begleitendem Blasentraining, sowie allenfalls eine lokale Östrogentherapie sowie Massnahmen, die das Risiko einer Neuinfektion reduzieren und die Selbstheilung fördern.
 

Bei Vorliegen einer Belastungsinkontinenz kann ein spezielles, konsequent durchgeführtes Beckenbodentraining sowie der Einsatz von Medikamenten Scheidenpessaren, als trainings-unterstützende Massnahme zu einer deutlichen Besserung, wenn nicht gar Heilung der Blasenprobleme führen.

Bei bestehendem Hormonmangel in den Wechseljahren lässt sich die dünn gewordene Schleimhaut durch lokal anzuwendende östrogen- und fetthaltige Präparate wieder regenerieren. Sollten sich damit keine nennenswerten Erfolge einstellen, kann der Arzt eine operative Behandlungsmethode empfehlen. Dies kann dann sinnvoll sein, wenn der Urininkontinenz anatomische Veränderungen (Blasen-, oder Gebärmuttersenkung) zugrunde liegen.

Das Symptom der hyperaktiven Blase mit häufigen Toilettengängen, plötzlich auftretendem starkem Harndrang und dem unwillkürlichen Verlust grösserer Urinmengen, lässt sich gezielt durch den Einsatz von Medikamenten ((Anticholinergica) behandeln, die beruhigend und entspannend auf die überaktive Blasenmuskulatur einwirken. Hier stehen verschiedene Präparate zur Verfügung, die der Arzt individuell (patientengerecht) einsetzen wird. Nebenwirkungen, wie Mundtrockenheit, die gelegentlich beobachtet werden, lassen sich durch Auswahl des Präparates und Dosisanpassungen mildern. Neben dem gezielten Trink- und Blasentraining zum Schutz vor Blasenentzündungen, kann auch der Einsatz östrogenhaltiger Präparate (Lokaltherapie oder Hormonersatztherapie mit Pflastern oder Tabletten) bei Frauen in der Menopause erfolgreich sein.

Eine Überlauf-Inkontinenz als Folge einer Prostatavergrösserung muss gründlich abgeklärt und anschliessend medikamentös oder chirurgisch behandelt werden. In dieser Situation sind die oben erwähnten Anticholinergica kontraindiziert.

NICHT-MEDIKAMENTÖSE
MASSNAHMEN

BECKENBODENTRAINING


Beckenbodentraining hat das Ziel, einen geschwächten Schliessmuskel zusammen mit der Beckenbodenmuskulatur zu kräftigen. Diese Behandlungsmethode ist daher zur Besserung oder Heilung leichterer Formen der Stress- oder Belastungs-Inkontinenz geeignet. Die speziellen krankengymnastischen Übungen sind vor allem auch für Frauen während und nach der Schwangerschaft geeignet, um einer drohenden Belastungsinkontinenz nach der Geburt vorzubeugen. Erwiesen ist, dass eine Gewichtsreduktion bei Übergewichtigen die Ergebnisse des Beckenbodentrainings positiv beeinflusst. Ebenso günstig kann sich eine Östrogentherapie bei Frauen nach den Wechseljahren auswirken. Eine ausführliche Broschüre zum Beckenbodentraining kann bei uns bezogen werden. Lassen Sie sich am Anfang von einer Physiotherapeutin anleiten und beraten.

TOILETTEN-/BLASENTRAINING

 

Toilettentraining hat das Ziel, ältere Patienten / Patientinnen, welche die Kontrolle über die Funktion ihrer Blase verloren haben, durch einen zeitlich vorgegebenen Entleerungsrhythmus wieder zur Kontinenz zu verhelfen. Die Zeitintervalle der Toilettenbesuche sollten

- bei einem dauerhaften Erfolg der Massnahme – von Tag zu Tag verlängert werden. Ein Toilettentraining kann allerdings nur dann erfolgreich sein, wenn der Patient selbst «trocken» werden will und entsprechend mitarbeitet. Jedes aufgezwungene Toilettentraining wird scheitern, wenn der Betroffene selbst nicht genügend motiviert ist. Wie dieses Training zeitlich gestaltet werden sollte, wird der Arzt mit dem Betroffenen, den Pflegern oder Angehörigen besprechen.

 

MIKTIONSSCHEMA


Das Miktions- oder Blasenentleerungsschema dient mehreren Aufgaben: Es ermittelt einerseits den Typ der Inkontinenz und kann so dazu beitragen, dass die richtigen Behandlungsmassnahmen ergriffen werden. Andererseits gibt es Aufschluss über die Blasenkapazität und enthüllt, wann der Patient den Drang zum Wasserlassen verspürt. Das Blasenentleerungsschema ermöglicht also eine Inkontinenzanalyse, die sowohl für ein Toilettentraining als auch für die sinnvolle Versorgung eines pflegebedürftigen Patienten mit Inkontinenzhilfsmitteln wichtige Informationen bietet.

 

MÄNNLICHE BLASE

WEIBLICHE BLASE

Der in den Nieren produzierte Urin gelangt durch die Harnleiter in die Harnblase. Die Harnblase ist ein muskulöses Hohlorgan mit einem Fassungsvermögen von etwa 300 bis 500 ml, das zur Speicherung des Urins dient. Sie wird in bestimmten Abständen entleert, wobei der Urin durch die Harnröhre nach aussen geführt wird. Während sich die Harnblase füllt, bleibt der elastische Blasenmuskel inaktiv und dehnt sich langsam aus, um die zunehmende Urinmenge aufnehmen zu können. Während der Füllungsphase wird die Blasenentleerung verhindert, der Schliessmuskel ist verschlossen. Die zunehmende Blasenfüllung löst einen steigenden Harndrang aus, der dem Gehirn über die Nerven des Rückenmarks signalisiert wird. Die Blasenentleerung selbst ist ein aktiver, willkürlicher Vorgang, der über Nervenimpulse ausgehend vom Grosshirn und Hirnstamm gesteuert wird. Soll die Blase entleert werden, zieht sich der Blasenmuskel zusammen und der Schliessmuskel der Harnröhre erschlafft, so dass der Urin ungehindert abfliessen kann. Stellt sich der Drang ein die Blase zu entleeren suchen die meisten Menschen die Toilette auf.

ZYKLUS DER BLASE

FÜLLEN UND ENTLEEREN DER BLASE


1.

Die Blase füllt sich


2.

Halbvolle Blase, erstes Bedürfnis die Blase zu entleeren


3.

Blasenentleerung wird bewusst zurückgehalten, bis sich eine passende Gelegenheit bietet.


4.

Blasenentleerung

Wie häufig dies geschieht, hängt vom täglichen Trinkvolumen sowie vom Fassungsvermögen der Harnblase ab, das individuell verschieden ist. Mehr als acht Toilettengänge in einem Zeitraum von 24 Stunden sollten unter normalen Umständen nicht erforderlich sein.

Das Entleeren der Harnblase (Wasserlassen, medizinisch als Miktion bezeichnet) ist also ein willkürlicher kontrollierter Vorgang. Patienten/Patientinnen mit Blasenschwäche haben in der Regel keine oder eine eingeschränkte Kontrolle über die eigene Blase, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Ihren Symptomen entsprechend unterscheidet man verschiedene Formen der Urininkontinenz.